FACHKUNDE    Präventive Zahnheilkunde


Maßnahmen der Kariespropylaxe
Überblick


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Karies ist zu 91-100% vermeidbar! - Wie kommt es dann, daß die Deutschen immer noch so schlechte Zähne haben? In Reihenuntersuchungen bei 6-jährigen Schülern werden heute nur 30% naturgesunde Gebisse gefunden. Mehr als 90 Prozent der Deutschen sind am Zahnfleisch erkrankt und jährlich werden über 40 Tonnen Gold in deutsche Gebisse eingesetzt.

Zwar kennt jeder Karies, aber scheinbar ist nicht jedem bewußt, daß diese Erkrankung absolut nicht sein müßte, sondern vollständig mit etwas Zeit, Sorgfalt und "Know-how", besser gesagt mit Prophylaxe oder Vorbeugung, vermieden werden kann.

Prophylaxe bedeutet grundsätzlich Vorbeugung von Krankheiten. Im Sinne der Zahngesundheit sind damit alle Maßnahmen gemeint, die das Entstehen bzw. Fortschreiten von Zahnerkrankungen verhindern.

Was gehört demnach zu einer modernen Prophylaxe?

  • Eine bewußte Ernährung mit sparsamen Einsatz zuckerhaltiger Speisen und Getränke. Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Geflügel und die meisten Obst- und Gemüsesorten sind zahngesunde Lebensmittel und dazu reich an Vitaminen und Mineralien.
    Vor allem: Möglichst keine zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten und wenn es doch einmal sein muß: zuckerfreie Süßwaren mit Zuckersatzstoffen (Xylit, Sorbit, Aspartam).
  • Eine regelmäßige und richtige Zahnreinigung nach den Mahlzeiten, vor allem nach zuckerhaltigen - ein sauberer Zahn wird nicht krank!
  • Regelmäßige Kontrollbesuche in der Zahnarztpraxis, am besten einmal pro Halbjahr, um Zahnerkrankungen mit zusätzlichen Maßnahmen vorzubeugen oder zumindest möglichst frühzeitig zu behandeln.
  • Weitere zusätzliche Maßnahmen wie z. B. die Zufuhr von Fluoriden (über Zahnpasten, Salz, Tabletten etc.), Erhöhung des Speichelflußes z.B. durch ein zuckerfreies Kaugummi.

 

Gruppenprophylaxe - Individualprophylaxe

Je nach den Zielgruppen, an die sich die Prophylaxemaßnahmen richten, unterscheidet man zwischen Gruppen- und Individualprophylaxe.

Während sich gruppenprophylaktische Maßnahmen an bestimmte Bevölkerungsgruppen richten, z. B. Kinder oder Schüler, sind individualprophylaktische Maßnahmen immer für den Einzelnen bestimmt.

Gruppenprophylaxe

Zu den wichtigsten Maßnahmen der Gruppenprophylaxe zählen

  • Ernährungsberatungen, hier vor allem die Reduzierung des Süßwarenkonsums
  • praktische Unterweisungen und Übungen in einer sorgfältigen Zahnpflege
  • Maßnahmen zur Schmelzhärtung der Zähne durch dosierte Abgabe von Fluoridpräparaten

  • zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Kindergärten und Schulen

  • Entwicklung und Durchführung spezieller Betreuungskonzepte für Kinder und Jugendliche mit besonders hohem Kariessrisiko (sogenannte Kariesrisikogruppen)

  • Schulung von Schlüsselpersonen, z.B. Erzieher/innen und Lehrer/innen, mit dem Ziel, sie unterstützend für den Zahnarzt tätig werden zu lassen.

Die Aufzählung der Gruppenprophylaxemaßnahmen verdeutlicht, daß sich Gruppenprophylaxe nicht auf das Zähneputzen oder die Untersuchung der Gebisse beschränkt, sondern weitaus mehr Faktoren beinhaltet. Gruppenprophylaxe bedeutet auch Gesundheitserziehung.

Die Vorteile der Gruppenprophylaxe im Kindergarten und in

Die Durchführung der Gruppenprophylaxe obliegt in den meisten Bundesländern den Arbeitsgemeinschaften für Zahngesundheit. In diesen Arbeitsgemeinschaften sind die Kreiszahnärzteschaften ebenso vertreten wie die gesetzlichen Krankenkassen und die Gesundheitsämter.

Vor allen in Kindergärten und Schulen hat die Gruppenprophylaxe große Vorteile:

  • Dort erzielt man eine gute Breitenwirksamkeit.

  • Von großer Bedeutung ist die Einbeziehung der Erzieher/innen und Lehrer/innen in die Gruppenprophylaxe. Dieser sozialpädagogisch ausgebildete Personenkreis ist verantwortlich für die kontinuierliche Wiederholung der demonstrierten Maßnahmen. Durch spezielle Seminare wird daher versucht, diesen Fachkräften die Bedeutung der Zahngesundheit aufzuzeigen und ihnen das nötige Fachwissen zu vermitteln. Da sie ständig viele Kinder betreuen, können sie so zu Multiplikatoren werden: Sie geben ihr Wissen auf dem Gebiet der Zahnheilkunde weiter.

  • Eine Gruppe kann man oft leichter Ansprechen als Einzelpersonen. In jedem Kindergarten gibt es Kinder, die aufgeschlossen und kontaktfreudig sind. Sobald man deren Neugier geweckt hat, entsteht eine entspannte Atmosphäre, in der dann auch zurückhaltende oder ängstliche Kinder zugänglich werden können.

  • Über Kindergarten und Schule kann man die Eltern ansprechen, die sonst nicht für Gesundheitserziehung gewonnen werden können. Leider werden Elternabende meist gerade von solchen Eltern, die wenig Interesse für Gesundheitserziehung haben, nicht besucht. Gelingt es jedoch, die interessierten Eltern für die Prophylaxe zu begeistern, wird sich dies auch auf eher skeptische Eltern übertragen.

Diese Vorteile hat auch der Gesetzgeber erkannt, der die Gruppenprophylaxe durch den Paragraphen 21 des Gesundheitsreformgesetzes festschreibt.

Individualprophylaxe

Die Erkenntnis über die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen hat die Krankenkassen veranlaßt wichtige Maßnahmen der Prophylaxe für Kinder und Jugendliche zwischen dem 6. Geburtstag und dem 20. Geburtstag in den Leistungskatalog aufzunehmen und die entstehenden Kosten zu erstatten. Die individualprophylaktischen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen erstrecken sich auf den Befund des Zahnfleisches, die Aufklärung über Krankheitsursachen und deren Vermeidung, Motivation und Einweisung in die richtige Mundpflege, Maßnahmen zur Schmelzhärtung der Zähne (Fluoridierung) sowie die Fissurenversiegelung der Molaren 6 und 7. Die Speicheldiagnostik und ähnliche Maßnahmen sind zahnmedizinisch sinnvolle Ergänzungen zu den Kassenleistungen.

Im Gegensatz zur Gruppenprophylaxe orientiert sich die Individualprophylaxe immer an den individuellen Gegebenheiten.

Maßnahmenkatalog der gesetzlichen Krankenkassen zur Individualprophylaxe (IP):

IP 1: Mundhygienestatus ( 1x je Kalenderhalbjahr)

- Beurteilung der Mundhygiene,

- Beurteilung des Zahnfleischzustandes,

- Feststellung und Beurteilung von Plaque-Retentionsstellen,

- Einfärben der Zähne,

- Plaque-Index

- Zahnfleischblutungsindex

IP 2: Aufklärung über Krankheitsursachen, deren Vermeidung und Intensivmotivation ( 1x in einem Zeitraum von drei Jahren)

- Erklärung der Entstehung der Karies,

- Erklärung der Entstehung von entzündlichen Zahnbetterkrankungen,

- Hinweise zur Zahngesunden Ernährung,

- Modelldemonstration zur Mundhygiene,

- Demonstration zur Putztechnik,

- Demonstration zu Zusatzhilfsmitteln

- praktische Übungen zur Putztechnik,

- praktische Übungen zu Zusatzhilfsmitelln,

- Motivation des Patienten,

- eventuell Anfärben der Zähne,

- Aufklärung über häusliche Anwendung von Fluoriden.

IP 3: Überprüfung des Übungserfolges, Remotivation ( 4x innerhalb von drei Jahren)

- Kontrolle des Übungserfolges,

- Demonstration und praktische Übungen zur Zahnputztechnik, falls erforderlich,

- weitere Motivation des Patienten,

- Anfärben der Zähne sowie Mundhygieneindex, falls erforderlich.

IP 4: Lokale Fluoridierung der Zähne ( 1x je Kalenderhalbjahr)

- lokale Fluoridierung der Zähne mittels Lack, Gel o.ä.,

- Beseitigung von Belägen

IP 5: Versiegelung von kariesfreien Fissuren der bleibenden Molaren ( Zähne 6 und 7 ) mit aushärtenden Kunststoffen

- Fissurenversiegelung,

- gründliche Beseitigung von weichen Zahnbelägen,


   


   FACHKUNDE     Präventive Zahnheilkunde   2000  Dr. Joachim Menges