FACHKUNDE     Präventive Zahnheilkunde


Bedeutung der niedermolekularen Kohlenhydrate
Zuckeraustauschstoffe


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Die Gefahren der unbedachten Aufnahme von Süßigkeiten könnten weitgehend ausgeschaltet werden, wenn man die Häufigkeit bewußt beschränkte und/oder zu deren Herstellung statt Zucker Zuckeraustauschstoffe verwenden würde. Vielfach herrscht Verwirrung hinsichtlich der Begriffe Zucker, Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe.

  • Zucker sind alle Mono- und Disaccharide, d.h. niedrig-molekulare, leicht lösliche Kohlenhydrate, die in Früchten vorkommen.Der kristalline Haushaltszucker besteht aus dem pflanzlichen Disacchrid-Saccharose (Disaccharide sind eine chemische Gruppe der Zuckerarten).Er wird im wesentlichen aus Zuckerrohr und Zuckerrüben gewonnen.

  • Süßstoffe hingegen sind synthetisch gewonnene organische Stoffe, die weit höhere Süßkraft als Zucker,aber keinen Nährwert besitzen.Zu ihnen gehören Saccharin (Süßkraft 500mal höher als die von Rohrzucker) und Cyclamat.

  • Zuckeraustauschstoffe sind zuckerähnliche Stoffe (Zuckeralkohole), die in vielen Pflanzen vorhanden sind,vom Menschen seit je in Beeren,Gemüse,Pilzen und Früchten aufgenommen und teils im menschlichen Organismus selbst (Leber) gebildet werden.

Süßstoffe können technisch nur in bestimmten Produkten verarbeitet werden. Gerade für die Herstellung der beliebtesten Süßigkeiten wie Bonbons oder Kuchen sind sie nicht zu verwenden, weil ihnen die notwendige Substanzmasse und Konsistenz fehlen. Deshalb scheiden sie als Zuckerersatz in solchen Erzeugnissen aus. Ausschlaggebend ist jedoch gerade, daß die im Zucker enthaltene, für die Zähne besonders gefährliche Saccharose, aber auch die Mono- und Disaccharide Glukose, Fruktose, Laktose und Maltose ausgeschaltet werden.

Dies ist durch die Verwendung von Zuckeraustauschstoffen möglich. Es gibt verschiede solcher Stoffe. Mehrere sind noch nicht genügend erforscht bzw. erprobt, einige sind untauglich.

Praktisch zu verwerten sind jedoch bereits die Zuckeralkohole Sorbit, Mannit und Xylit. Xylit entspricht dem Zucker sowohl in seiner Süßkraft und kristallinen Konsistenz als auch in seiner Verarbeitbarkeit. Sorbit ist etwa halb so süß wie Zucker. Der menschliche Stoffwechsel ist mit diesen Stoffen durchaus vertraut, z.B. bildet die Leber des Erwachsenen selbst täglich 5 bis 15 Gramm Xylit.

Die Austauschstoffe sind zu empfehlen, weil es sich um Kohlenhydrate handelt, die sich nur schlecht zu Säure vergären lassen. Xylit wird durch die Bakterien der Mundhöhle nur in unbedeutender Menge abgebaut,so daß die kariesauslösende Säureentstehung erheblich verringert ist. Schleimige Klebstoffe (Dextrane), die wesentlich mit an der gefährlichen Belagbildung und -haftung schuld sind, entstehen zwar durch Zucker, nicht jedoch durch Zuckeraustauschstoffe. In einem Speichel, in dem Xylit vorhanden ist, bilden sich ebensowenig Säuren wie in einem, der überhaupt keine karieserregenden Bestandteile enthält.

Die zahnfreundlichen Eigenschaften des Xylit scheinen nach den bisherigen Beobachtungen noch stärker zu sein als die des Sorbits.

Ein Nachteil der Zuckeraustauschstoffe ist eine gewisse abführende Wirkung.

Leicht verständlich ist, daß Süßigkeiten nie ganz verbannt werden können. Um so wichtiger sind Zuckeraustauschstoffe. In der Schweiz werden Süßigkeiten,die statt Zucker Zuckeraustauschstoffe enthalten,bereits seit 1970 amtlich als "zahnschonend" anerkannt. Dieses Prädikat wird nur nach einer sehr strengen wissenschaftlichen Prüfung zuerkannt, in der ganz bestimmte Bedingungen erfüllt werden.Insbesondere muß einwandfrei nachgewiesen sein, daß durch das Produkt keine schädliche Säure entsteht.

 
   


   FACHKUNDE     Präventive Zahnheilkunde   2000  Dr. Joachim Menges