FACHKUNDE     Präventive Zahnheilkunde


Richtige Ernährung

© Dr.Klaus de Cassan

Diese Seite ist ein Dokument mit Informationstext

   Ernährungsweise
   Entkalkung des Zahnes durch Säuren
   Zucker als Kariesverursacher
   Saures schadet der Zähnen
   Trendgetränke
   Zahngesunde Ernährung
   Neue Lebesmittel
   Ernährung des Babys
   Ernährungsinfos im Internet


Unsere Ernährungsweise hat sich derart verfeinert, dass man von einem richtigen Kauen - so wie es bei Naturvölkern üblich ist - nicht mehr sprechen kann. Bedingt durch diese reduzierte Kauleistung fällt auch weniger Speichel an, welcher zur Selbstreinigung der Zähne unentbehrlich ist.
Zusätzlich wird die Bildung von Zahnbelag durch kariogene Süßigkeiten und Stärkeprodukte , verteilt über den ganzen Tag, begünstigt.
Dieser Belag, auch unter dem Namen Plaque bekannt, besteht aus vielen Millionen Bakterien , die eine zahnzerstörende Säure produzieren.
Der verminderte Speichel ist nicht mehr in der Lage, einen selbstreinigenden Ausgleich zu bieten, die Zahnzerstörung kann beginnen, es entsteht Karies .
Karies und Zahnfleischentzündungen als selbständige Erkrankung sind nicht erblich, wohl aber die Bereitschaft (Disposition) dazu in Form von schlechten Nahrungs- und Putzgewohnheiten.
Besonders Schulkinder sind nach neusten Untersuchungen von falschen Ess- und Lebensgewohnheiten betroffen. So tituliert die "Medical Tribune" treffend:
"Rettungsringe unterm Schulranzen - Ohne Glotze schmilzt die Wampe". 

Zahnzerstörende Säure wird von an sich harmlosen Mundbakterien als Stoffwechselprodukt ausgeschieden. Diese Bakterien ernähren sich vorzugsweise von Zucker , der in den Süßigkeiten offen - und in vielen anderen Nahrungsmitteln versteckt - reichlich vorhanden ist.

Zucker ist ein Hauptanteil unserer Nahrung geworden. Seine Aufnahme zu verhindern oder gar zu verbieten ist illusorisch. Aber Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Verzehr von Süßigkeiten während der Hauptmahlzeiten oder kurz danach (Dessert) weniger schädlich auf die Zähne auswirkt. Verteilt man die gleiche Menge Süßigkeiten jedoch über den ganzen Tag, erhöht sich das Kariesrisiko rapide, da die Bakterien ein Vielfaches an Säure produzieren und den Zahnschmelz ständig angreifen.
Besonders schlimm ist daran, dass die Werbeaussagen der Zuckerindustrie diesen schädlichen Zusammenhang verniedlichen oder missachten. Da wird mit flotten Sprüchen noch auf eine gesunde Ernährung abgehoben. Millionen werden durch diese irreführende Werbung umgesetzt, aber noch für mehr Millionen Schäden besonders bei Kindern und Jugendlichen angerichtet. Nur durch eine Änderung des Essverhaltens und eine Umstellung auf weniger Zucker oder auf  Zuckeraustausch und Zuckerersatzstoffe lassen sich derartige Schäden weitgehend vermeiden. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Kariogenität von gekochten Stärkeprodukten (z.B. Kartoffelchips) noch erheblich größer als die von Süßigkeiten ist.

Eine zahngesunde Alternative bieten Produkte mit dem Zeichen "Zahnfreundlich, der Zahn mit dem Schirm". Siehe dazu

http://www.zahnmaennchen.de   und  http://www.toothfriendly.ch

Nicht nur Süßes, sondern auch Saures setzt den Zähnen schwer zu, denn "ohne Zuckerzusatz" heißt noch lange nicht, dass es dann keine Karies mehr gibt: so stieg z.B. in den vergangenen Jahren der Absatz von Fruchtsäften kontinuierlich an. Ein zu hohes Säureangebot, wie es in Fruchtsäften häufig anzutreffen ist, kann der Speichel  jedoch auf Dauer nicht mehr neutralisieren. Die Folge können massive Schäden an den Glattflächen der Zähne sein. Experten empfehlen deshalb den Mund nach dem häufigen Trinken von Fruchtsäften mit klarem Wasser zu spülen oder zuckerfreie Kaugummis zusätzlich zu benutzen; auf keinen Fall sollte man sofort zur Zahnbürste greifen, damit der demineralisierte Schmelz nicht noch weiteren Substanzverlust erfährt. Zusätze von Kalzium und Phosphat in sauren Säften können die schädigende Wirkung erheblich mindern.Zur Vorbeugung von lebensmittelbedingten Zahnoberflächenschäden (Abrasionen) werden Fluoridgelees bzw. - mundspülungen empfohlen.

Trendgetränke / Designerdrinks
Die Stiftung Warentest untersuchte im Sommer 2000 38 Erfrischungsgetränke: Bunte Brausen mit schrillem Outfit, Designerdrinks und Limos mit dem ultimativen Geschmack. Das Ergebnis ist niederschmetternd:
So wurden u.a. darin enthaltene Farbstoffe entdeckt, die für Allergiker bedenklich sind, Aromen, die zwar auf der Verpackung standen aber nicht in den Getränken waren und besonders unhaltbare Gesundheitsversprechen. Nehmen Sie als Durstlöscher lieber Mineralwässer evtl. mit einem aromatisiertem Geschmack.
So stellt das Stuttgarter Verbrauchermagazin "plus" fest, dass in den sog. Milchsnacks kaum Milch, dafür aber um so mehr Zucker und auch in Spuren Alkohol enthalten sei. Entgegen Werbeversprechen enthielten die süßen Pausenriegel meist nur einen knappen Esslöffel Milch. Die scheinbar leichten Snacks seien zudem eine Kalorienbombe. So müsse man z.B., um den täglichen bedarf an Calcium zu decken, 27 Riegel eines best. Herstellers essen.

Ernährungsregeln (aus zahnärztlicher Sicht) : Zähne brauchen Hartes zum Kauen, nach Möglichkeit zum Schluss einer Mahlzeit.

Ein gesundes Frühstück besteht aus Knäcke- oder Vollkornbrot, damit die Zähne was zu Beißen und zum Kauen haben. Butter, Wurst oder Käse sind der richtige Brotbelag. Zusätzlich saftige Früchte und ein honigfreies Müsli.

Generell sollten eiweißreiche aber fettarme Lebensmittel wie Linsen, Bohnen, Getreide sowie mageres Fleisch und Fisch verzehrt werden. Frisches Obst und Gemüse sorgen für die wertvollen Vitamine und Spurenelemente. Mindestens die Hälfte der täglichen Lebensmittel sollte ungekocht verzehrt werden.

Süßigkeiten nur zu Hauptmahlzeiten. Lieber eine ganze Tafel Schokolade auf einmal, als stückchenweise über den ganzen Tag. Noch kariogener als Süßigkeiten sind nach neusten Untersuchungen Nahrungsmittel aus gekochter Stärke, wie z.B. Kartoffelchips. Auch Trockenfrüchte (z.B. Datteln, Feigen, "Studentenfutter") besitzen einen hohen Anteil an kariogenem Zucker und sind gegen den "kleinen Hunger" ungeeignet.

Als Zwischenmahlzeiten kräftiges, saftiges Obst oder rohes Gemüse; nach zuckerhaltigem "Naschen" einen zuckerfreien Kaugummi kauen.

Zuckeraustausch o. -ersatzstoffe verwenden, um den Zuckerverbrauch einzuschränken. Gerade die Zuckeraustauschstoffe sind geschmacklich vom richtigen Zucker kaum zu unterscheiden und nur gering kariogen.

Als Getränke normale Limonaden wegen ihres teilweise extrem hohen Zuckergehaltes meiden. Dafür frisch gepresste Obst- oder  Gemüsesäfte (Säuregehalt der Fruchtsäfte beachten! s.o.) oder Mineralwässer.Ein neuer Trend bei den Lebensmitteln steht unter dem Motto "Iss dich gesund". Sie nennen sich unter anderem "Funktional Food" oder "Nutraceuticals"; in der EU gibt es im Gegensatz zu Japan und den USA keine Regelung über deren Deklaration.
Nachfolgend eine Zusammenstellung der wichtigsten Namen (gekürzt aus "bild der wissenschaft" vom Juli '99):

 
Molecular Farming Eine Bezeichnung für die Produktion von Arzneimitteln mit Hilfe gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere.
Cosmoceuticals Nahrungsmittel, die das Aussehen verbessern, z.B. mit dem Vitamin-B-Komplex angereicherte Joghurts für glänzende Haare und feste Fingernägel.
Functional Food künstlich angereicherte Nahrung mit Substanzen, die den Wert der Produkte für Aussehen und Gesundheit erhöhen.
Health Claim Bezeichnung für eine Werbeaussage über die gesundheitsfördernde Wirkung von Lebensmitteln ("aktiviert das Immunsystem"). Nach EU-Recht verboten.
Novel Food In der EU geprägter Begriff für Lebensmittel, welche entweder in einem neuen Prozess hergestellt sind oder andere Stoffe enthalten als bisher vermarktete Produkte. Hierzu zählt die große Palette von exotischem Gemüse bis zur Mayonnaise aus gentechnisch veränderten Sojapflanzen. Novel Food muss nicht unbedingt Functional Food sein.
Nutraceuticals Lebensmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten, so z.B. die Gentech-Banane, welche Antikörper gegen Karies (?) enthalten soll. Häufig mit Interpretationsproblemen behaftet, ob das Nahrungsmittel eher als Lebensmittel oder Medikament einzustufen ist.
Phytochemicals umschreibt natürlich vorkommende Pflanzeninhaltsstoffe, insbesondere diejenigen mit biologischer Aktivität. Üblicherweise nur in geringen Mengen in Gemüse, Obst oder Getreide vorkommend.
Unterstellte (überwiegend) oder nachgewiesene Wirkungen:
antikarzinogen, antimikrobiell, antioxidativ, antithrombotisch, immunmodulierend, entzündungshemmend, Blutdruck-regulierend, Cholesterin-senkend, Blutglucose-regulierend, haluzinativ.
Präbiotica fermentierbare Substanzen, die sich günstig auf die Darmflora auswirken.
Probiotica lebende Mikroorganismen, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben.
Synbiotica eine Kombination aus Prä- und Probiotica.

Ernährungsempfehlungen für die Zeit nach dem Stillen sind auf der Kinderseite dargestellt. Bitte diesen Text anklicken.

Eine ausgezeichnete und umfangreiche Übersicht mit Hinweisen zu kostenlos herunterladbarer Ernährungssoftware bietet die Site des Institutes für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen unter: http://www.uni-giessen.de/nutriinfo/

Informationen rund um die Ernährung finden Sie in Claudia Reglers Diplomarbeit   mit so interssanten Themen wie: Was geschieht mit unserem Essen, Inhaltsstoffe der Lebensmittel, Verdauung, Ausscheidung, Blutkreislauf und einem interessantes Glossar.

Ebenfalls mit einer Fülle von Infos wartet diese Schweizer Site auf:
http://www.azi.ch/erb/erb/pages/gesund-essen-de.html .

 
   


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