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Zwischenfälle in der Praxis

modifiziert nach ©  Herz- Lungen- Wiederbelebung  (vorläufige Version)



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Einführung in die Thematik
Die Funktionen von Atmung, Lunge, Herz und Kreislaufsystem
Was bedeutet das Phänomen Kreislaufstillstand?
Beginn der Wiederbelebung
Bewusstlosigkeit ist das Sauerstoffmangelzeichen des Gehirns.
Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen
Äußere Herzdruckmassage
Die Ein-Helfer Methode
Die zwei-Helfer-Methode
Die Erfolgskontrolle der Wiederbelebung
Besonderheiten der Wiederbelebung beim Neugeborenen, Säugling und Kleinkinder




Einführung in die Thematik

Ich möchte die Rolle des Ersthelfers im Zusammenwirken der einzelnen Glieder der Rettungskette erläutern und mit Nachdruck darstellen und die notfallmedizinischen Fakten zusammenfassen, die auf die spezielle Situation des Ersthelfers vor dem Hintergrund des gesamten Rettungsdienstes prägenden Einfluss haben und entscheidend sind.

Der Stoff der Lernkapitel dient der Vorbereitung auf den praktischen Einsatz im engeren Sinne, da hier die Notfallsituation des Atem-, Herz- und Kreislauf- stillstandes für den Laienhelfer im Rahmen des Rettungsdienstes dargestellt wird. Die einzelnen Abschnitte müssen als Ergänzung von praktischen Seminaren, in denen die Maßnahmen geübt werden, intensiv gelernt werden. Alle Kapitel sollen im Sinne einer kontinuierlichen Fortbildung in gewissen Zeitabständen erneut durchgearbeitet werden.

Es ist heute ein Ausbildungsziel auch in Tauchvereinen, in besonderen Lehrgängen auch Ersthelfer in regelmäßigen Seminaren theoretisch und praktisch zu schulen.

Die Ersthelfer sollen dabei systematisch auf die von ihnen erwartete selbständige und entscheidende Tätigkeit vorbereitet werden, um ihren Notfalleinsatz am Beginn einer erfolgreichen Rettungskette zu bestehen.

Es werden unter Berücksichtigung der speziellen Notfallsituationen als Leitfaden für den Ersthelfer die folgenden Punkte erläutert:

1. Der Sauerstoffmangel des Gehirns als Ursache der Bewusstlosigkeit.

2. Der Unterschied zwischen dem ,,Klinischen Tod" und dem ,,Biologischen Tod" unter der besonderen Berücksichtigung des Erfolges einer Rettungskette.

3. Die Anatomie und die Funktion der Lunge und des Herz-Kreislaufsystems.

4. Das Zusammenspiel der Funktionen von Lunge, Herz und Kreislauf (Physiologie).

5. Die Wechselbeziehungen krankhafter Vorgänge der Lungenfunktion und der Herz-Kreislauffunktion (Pathophysiologie).

6. Das Erkennen dieser Störungen als Lebensbedrohung (primäre Diagnostik).

7. Die ersten Maßnahmen zur Versorgung der lebensbedrohlichen Situation eines Atem-, Herz- und Kreislaufstillstandes in einer für den Ersthelfer im Sinne des besseren Verständnisses vereinfachten Sprache mit besonderer Betonung seiner Funktion auf Platz ,,1" am Beginn der Rettungskette.

1. Funktionsausfall der lebenswichtigen Organe durch Sauerstoffmangel

2. ,,Klinischer Tod“ und ,,Biologischer Tod"

3. Der Zustand des ,,Klinischen Todes" als Chance der Wiederbelebung

Alle Erkrankungen des Herzens können plötzlich und unvorhergesehen zu einem Versagen der Herz- und Kreislauffunktion führen. Ein solches Versagen stellt für den Patienten eine akute Lebensgefahr dar, weil alle Organe und Gewebe des Körpers nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut durchströmt werden. Der gesamte Organismus erleidet akut einen hochgradigen Sauerstoffmangel. Entscheidend für diesen Zustand ist die Tatsache, dass die einzelnen Organe des Körpers unterschiedlich stark empfindlich gegenüber einem Sauerstoffmangel sind, d.h. der Sauerstoffmangel, welcher durch die fehlende Durchblutung der einzelnen Organe mit sauerstoffreichem Blut verursacht wird, schädigt die Organe unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark. Am empfindlichsten reagiert das Gehirn auf einen Sauerstoffmangel. Bei dem Sauerstoffmangel infolge eines Kreislaufstillstandes wird das Gehirn am stärksten und schnellsten geschädigt.

Die Zeitspanne, vom Beginn eines Kreislaufstillstandes an gerechnet, während der das Gehirn durch den damit verbundenen Sauerstoffmangel bleibend und unheilbar geschädigt wird, beträgt bei normaler Körpertemperatur maximal 4 Minuten. Diese Zeitspanne von 4 Minuten entscheidet über den Sinn, das Ziel und die Erfolgschancen jeder Wiederbelebung. Bei Unterkühlung des Körpers kann diese kritische Zeitspanne allerdings auch länger als 4 Minuten sein. Das Gehirn reagiert wie die anderen Organe auf den Sauerstoffmangel mit einem Ausfall seiner Funktion. Der Patient wird bewusstlos: die Steuerung der Atmung durch das Atemzentrum im Gehirn fällt aus. Zu dem Stillstand der Kreislauffunktion kommt ein Stillstand der Atemfunktion hinzu: der Patient ist klinisch tot.

Bezüglich der Definition des Todes eines Patienten müssen unter dem Gesichtspunkt der Wiederbelebung grundsätzlich zwei verschiedene Formen des Todes unterschieden werden:

1. Wenn ein Atem- und Kreislaufstillstand eingetreten sind, liegt der Zustand des sogenannten klinischen Todes oder ,,Scheintodes" vor.

2. Der sogenannte biologische Tod tritt in der Regel 4 Minuten nach dem Beginn des klinischen Todes ein.

Vier Minuten nach dem Einsetzen eines Kreislaufstillstandes ist die Zellschädigung der wichtigsten Organe des Körpers - im besonderen des Gehirns - soweit fortgeschritten, dass sie auch bei Wiedereinsetzen der Kreislauffunktion und erneuter Durchblutung mit sauerstoffreichem Blut nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Alle Lebensrettenden Sofortmaßnahmen haben das Ziel, während der Zeit des klinischen Todes eine Wiederbelebung zu bewirken.

Sie können nur dann zum Erfolg führen, wenn sie während dieser Zeit des klinischen Todes sofort und richtig eingesetzt werden. Der Erfolg aller Wiederbelebungsmaßnahmen hängt entscheidend von den Kenntnissen und der Entschlusskraft derjenigen Person ab, die als erste mit dem klinisch toten Patienten zusammentrifft. Dieser erste Notfallzeuge ist in der Regel ein ,,Laienhelfer", d.h. der Ersthelfer, und nicht der Arzt. Nur in Ausnahmefällen wird dieser erste Helfer ein ausgebildeter Arzt sein. Der Ersthelfer muss alleine schnell und gezielt die lebensrettenden Maßnahmen sofort einleiten. Diese ersten Maßnahmen des Ersthelfers stehen in der Regel am Anfang der gesamten Rettungskette der Wiederbelebung und legen die Basis für den Erfolg der späteren ärztlichen Maßnahmen durch den Notarzt und den Krankenhausarzt fest.
Die ersten Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen prinzipiell nicht mit der Feststellung der Grundkrankheit, welche plötzlich zu dem Versagen der Atem- und der Herz-Kreislauffunktion geführt hat, sondern mit dem sicheren Erkennen der akuten Lebensgefahr des Patienten. Die Anzeichen der akuten Lebensgefahr des Patienten mit Bewußtseinsverlust, Atem-, Herz- und Kreislaufstillstand, kann jeder Ersthelfer durch aufmerksames und gezieltes richtiges Sehen, Hören und Tasten, feststellen. Dagegen sind zur Feststellung der ursächlichen Erkrankung für den Ausfall der Atem-, Herz- und Kreislauffunktion, oft sehr komplizierte Geräte in der Hand eines Arztes erforderlich. Um die akute Lebensgefahr durch gezieltes
und richtiges Sehen, Hören und Tasten erkennen zu können, muss der Ersthelfer die folgenden Kenntnisse über die Atmung und die Herz-Kreislauffunktion haben.

Die Funktionen von Atmung, Lunge, Herz und Kreislaufsystem

1. Die Funktion der Atmung

Die Atemwege beginnen an Mund und Nase und führen über die Luftröhre in die Lungen. Die Lunge ist ein paariges Organ mit einem rechten und einem linken Lungenflügel. Die Luftröhre zweigt sich in den Lungen in viele große und kleine Äste, das sogenannte Bronchialsystem auf. Die Luftröhre stellt den Stamm des Bronchialbaumes dar, dessen kleinste Verzweigungen in den Lungenbläschen enden. Die Lungenbläschen sind kleine Hohlräume, die bei den Atemvorgängen im Wechsel mit der Einatemluft und der Ausatemluft gefüllt sind. Jedes Lungenbläschen wird von feinsten Blutgefäßen umsponnen. Über diese feinsten Blutgefäße wird einerseits die Kohlensäure aus dem Stoffwechsel des Körpers in die Lungenbläschen abgegeben und von dort mit der Ausatemluft ausgeatmet. Auf der anderen Seite wird der Sauerstoff, der mit der Einatemluft in die Lungenbläschen
aufgenommen wurde, von diesen an das Blut abgegeben, damit er zu allen Organen im Kreislauf weitertransportiert werden kann. Die Lungenbläschen sind also die Stelle des Gasaustausches im Körper: Die Kohlensäure im Blut wird gegen Sauerstoff ausgetauscht. Die Wände der Lungenbläschen und die Wände der feinsten Blutgefäße der Lungen stellen dabei zusammen eine sehr große Membranfläche für den Gasaustausch dar.

Der Atemvorgang wird vom Atemzentrum im Gehirn gesteuert. Der Atemvorgang kommt durch die Bewegungen des Brustkorbes und die Betätigung der Atemmuskulatur zustande. In einem rhythmischen Wechsel wird bei der Einatmung der Brustkorb vergrößert und bei der Ausatmung verkleinert. Dabei folgen die Lungen genau den Bewegungen des Brustkorbes. Die Vergrößerung des Brustkorbes wird durch die Hebung der Rippen und durch eine Senkung des Zwerchfells bei der Einatmung hervorgerufen. Die Vergrößerung des Brustkorbes und damit die Vergrößerung des Lungeninnenraumes bewirkt eine Druckverminderung im Bronchialsystem und in einem großen Teil der Lungenbläschen und führt dadurch zu einem Einströmen von Luft in die Lungen. Bei der Ausatmung wird der Brustkorb durch die Senkung der Rippen und eine Hebung des Zwerchfelles wieder verkleinert. Die Verkleinerung des Brustraumes führt zu einem Druckanstieg im Bronchialsystem und im Bereich der Lungenbläschen und damit zu einem Ausströmen von Luft aus den Lungen während der Ausatmung.
 

2. Die Funktionen des Herzens und des Kreislaufsystems

Das Herz ist ein Hohlmuskel, der sich rhythmisch normalerweise 60 bis 80 mal pro Minute zusammenzieht und wieder erschlafft. Der Innenraum des Herzhohlmuskels besteht aus vier verschiedenen Abschnitten:
aus 2 kleineren Vorkammern und 2 größeren Hauptkammern. Dabei sind jeweils eine rechte und eine linke Vorkammer sowie eine rechte und eine linke Hauptkammer des Herzens zu unterscheiden. Die Vorkammern des Herzens sind von seinen Hauptkammern durch Herzklappen, nach ihrer anatomischen Form genannt ,,Segelklappen", die wie Ventile funktionieren und den Blutstrom richten, getrennt. Dabei hat die rechte Hauptkammer des Herzens eine Ausflussbahn in die Lunge und die linke Hauptkammer eine Ausflussbahn in die Hauptschlagader des Körpers, die Aorta, und damit in den großen Körperkreislauf. Die Ventile der Ausflussbahnen des Blutes, aus der rechten und linken Hauptkammer des Herzens in die Lunge und in die große Körperschlagader heißen nach ihrer anatomischen Form ,,Taschenklappen". Während der Herzmuskel sich zusammenzieht, wird das Blut, das sich in seinen Hohlräumen gesammelt hat, in den Kreislauf gepumpt. Während der Herzmuskel erschlafft, füllt sich das blutleere Herz erneut mit Blut. Bei jeder Herzaktion, d.h. wenn der Herzmuskel sich einmal zusammenzieht und einmal erschlafft, nimmt der Blutstrom den folgenden Weg durch das Herz und die Lungen:
in der rechten Vorkammer des Herzens sammelt sich das verbrauchte, sauerstoffarme Blut aus dem ganzen Körper; fließt im Blutstrom durch das Ventil einer Herzklappe - die dreizipfelige Segelklappe - gerichtet in die rechte Herzhauptkammer und wird von dort im Blutstrom über eine Ventiltaschenklappe gerichtet, in die Lungen gepumpt. In den Lungen wird das Blut mit dem Sauerstoff aus der Einatemluft beladen und die Kohlensäure als Abfallprodukt aus dem Stoffwechsel des Körpers wird aus dem Blut abgegeben und über die Lungen ausgeatmet. Das sauerstoffbeladene Blut aus den Lungen gelangt zurück in die linke Vorkammer des Herzens und fließt durch eine weitere Herzklappe - die zweizipfelige Segelklappe - gerichtet in die linke Hauptkammer des Herzens. Von der linken Hauptkammer des Herzens wird das sauerstoffreiche Blut in die Hauptschlagader des Körpers, die Aorta, gepumpt, ebenfalls im Blutstrom über eine Ventiltaschenklappe gerichtet. Die Blutzirkulation vom Herzen zu den Lungen und von den Lungen zurück zum Herzen erfolgt über spezielle das Herz und die Lunge verbindende Gefäße. Die genaue Betrachtung des Blutstromes zwischen dem Herzen und den Lungen soll deutlich machen, dass die Herzfunktion und die Lungen-, bzw. die Atemfunktion, zur Erhaltung des Lebens eine untrennbare Einheit darstellen.

Von der Aorta, der Hauptschlagader des Körpers, zweigen die Blutgefäße zur Versorgung aller Organe des Körpers ab. Auch die sogenannten Herzkranzgefäße, welche das Herz selbst mit Blut versorgen, zweigen sich von der Hauptschlagader des Körpers als erste Gefäße nach dem Herzen ab.

Alle Blutgefäße, welche vom Herzen das sauerstoffreiche Blut zu den einzelnen Organen transportieren, heißen Schlagadern oder Arterien. Alle Blutgefäße, welche von den Organen das sauerstoffarme und kohlensäurereiche Blut zum Herzen zurücktransportieren, heißen Venen. Der Sauerstoff ist der wichtigste Faktor für die Zellarbeit aller Organe des Körpers. Die Kohlensäure ist das hauptsächliche Abfallprodukt aus dem Stoffwechsel aller Zellen des Körpers.

Der Blutkreislauf ist das Transportsystem für den Sauerstoff und die Kohlensäure durch den ganzen Körper. Das Herz ist der Motor dieses Transport-Systems. Nur eine ununterbrochene Herzarbeit und eine mit ihr gekoppelte ununterbrochene Atemarbeit garantieren eine ausreichende Kreislauffunktion für den ganzen Körper und den damit verbundenen ausreichenden Antransport von Sauerstoff zu allen Organen und den ebenso notwendigen ausreichenden Abtransport der Kohlensäure aus allen Organen.

Der Blutdruck kommt durch die Pumpkraft des Herzens und die Elastizität der Schlagaderwände zustande. Er beträgt beim gesunden Erwachsenen etwa 120/80 bis 140/90 mmHg. Dabei gibt der höhere Blutdruck jeweils den Druck an, der im Schlagadergefäßsystem entsteht, wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht. Der zweite, niedrigere Blutdruck gibt den Druck an, der im Schlagadergefäßsystem bestehen bleibt, wenn der Herzmuskel erschlafft.

Jede Herzaktion verursacht rhythmisch eine Ausweitung und eine Wiederverengung der Schlagaderwände. Dieser Vorgang ist äußerlich als Puls zu tasten. Am besten ist der Puls tastbar an der Halsschlagader und an der Unterarmschlagader, und zwar an der Unterarminnenseite daumenwärts. Am sichersten ist der Puls mit den Fingerkuppen dreier nebeneinanderliegender Finger - Zeige-, Mittelfinger und 4. Finger - zu tasten.
Das Zusammenwirken zwischen der Herz- und Atemfunktion.
Betrachten wir die Atemfunktion und die Herzfunktion noch einmal als eine zur Erhaltung des Lebens untrennbare Einheit von Seiten des Atemvorganges aus, wird deutlich, dass der lebensnotwendige Gasaustausch in der Lungen nur regelrecht erfolgt:

1. solange der Atemvorgang regelmäßig und ausreichend abläuft,

2. solange die Herzarbeit und die Kreislauffunktion ungestört sind.

Phänomen Kreislaufstillstand Was bedeutet das Phänomen Kreislaufstillstand?

Der KREISLAUFSTILLSTAND ist definiert als ein Zustand, bei dem das Herz kein Blut in die große Schlagader des Körpers zur Durchblutung und zur Sauerstoffversorgung der Organe und ebenso kein Blut in die Lungenarterien zur Sauerstoffaufnahme in den Lungen auswirft.

Dabei sind zu unterscheiden:

Zwei grundsätzlich verschiedene Formen des HERZSTILLSTANDES

1. Das Herz steht tatsächlich still: d.h. das Herz hat keine Aktion. Die medizinische Fachbezeichnung für diese Form des Kreislaufstillstandes lautet: Herzstillstand: Asystolie

Zur Wiederbelebung dieser Form des Kreislaufstillstandes sind notwendig:

a. die sofortige äußere Herzdruckmassage

b. bestimmte Medikamente zusätzlich durch den Arzt

2. Das Herz steht nur funktionell still: d.h. das Herz macht sehr viele (300 - 800 mal pro Minute) Aktionen, ohne eine Koordination zwischen seinen Vorkammern und seinen Hauptkammern mit der negativen Konsequenz, dass trotz der intensiven Aktionen des Herzens keinerlei Blutauswurf in die Aorta und/oder die Lungenarterien erfolgt. Die medizinische Fachbezeichnung für diese Form des Kreislaufstillstandes lautet: Kammerflimmern.

Zur Wiederbelebung dieser Form des Kreislaufstillstandes sind notwendig:

a. die sofortige äußere Herzdruckmassage

b. so schnell als möglich ein ,,Elektroschock" des Herzens durch den Rettungsdienst oder Arzt.

Die medizinische Fachbezeichnung für diese Behandlungsmaßnahme des ,,Elektroschocks" lautet: Defibrillation.

Durch die elektrische Defibrillation werden die Hochfrequenten unkoordinierten Aktionen des Herzens, die keinerlei Blutauswurf bewirken, in langsamere, normofrequente und zwischen den Vorhöfen und den Kammern koordinierte und deshalb erfolgreiche Herzaktionen, die wieder einen regelrechten ausreichenden Blutauswurf zulassen, übergeführt.

Sehr wichtig für den Erfolg dieser elektrischen Wiederbelebung des Herzens ist es, dass diese sehr schnell nach dem Eintreten des Kreislaufstillstandes im Sinne von Kammerflimmern erfolgt. Die Diagnose des Kammerflimmerns und die Behandlung können nicht vom Ersthelfer, sondern nur vom Rettungspersonal und/oder Arzt erfolgen. Aus diesem Grunde ist die sofortige Durchführung des sachlich exakten Notrufes durch den Ersthelfer entscheidend!

Die ersten Maßnahmen des Ersthelfers beim Auffinden einer leblosen Person

Beginn der Wiederbelebung

Die in den folgenden Kapiteln beschriebenen Kenntnisse über die Atmung und die Herz-Kreislauffunktion, befähigen den Ersthelfer:

1. den Atemstillstand,
2. den Herz-Kreislaufstillstand,

als akute Lebensgefahr zu erkennen.

Zur schnellen und sicheren Erkennung eines Atemstillstandes und eines Herz- Kreislaufstillstandes, müssen gezielt nach einem festen Plan die Anzeichen des Atemstillstandes und des Herz-Kreislaufstillstandes geprüft werden. Dazu sollte, ohne Zeitverlust, nach einer festen Checkliste mit dem folgenden Algorithmus vorgegangen werden:

- Diagnostischer Block

- Prinzip der frühzeitigen Alarmierung durch exakten Notruf

- Sofortiger Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen

Der DIAGNOSTISCHE BLOCK umfasst:

1. Bewusstseinskontrolle

2.  Kontrolle der Atmung

3.  Kontrolle des Kreislaufes

1. Anzeichen einer Bewusstlosigkeit:
Prüfung der Bewusstseinslage:

a.   Laute Ansprache des Patienten
b.   Schütteln an den Schultern. Keinerlei Reaktionen: Patient bewusstlos

2. Anzeichen eines Atemstillstandes:

a. Ohr des Ersthelfers über Mund und Nase des Patienten halten und durch Hören und Fühlen den Luftstrom der Atmung überprüfen:
Kein Luftstrom feststellbar.
b. Beobachtung der Atembewegungen des Brustkorbes:
Keine Atembewegungen sichtbar und fühlbar.
c. Brustkorbbewegungen beobachten bei Drehung des Kopfes zur Seite: im günstigen, d.h. im positiven Falle, können Bewegungen des Brustkorbes als Zeichen einer wiedereinsetzenden Spontanatmung beobachtet werden.
Kontrolle für 5 Sekunden Dauer durchführen.

3. Anzeichen eines Herz-Kreislaufstillstandes:

a. Kontrolle des Halsschlagaderpulses - zunächst einseitig. Zum Auffinden der Halsschlagaderpulsaktion wird zuerst der Schildknorpel in der Mitte der Halsvorderseite mit 2 - 3 Fingern getastet. Dann gleiten die Finger zu einer Seite des Halses bis zur Stelle der gesuchten Halsschlagaderpulsaktion ab:
Keine Pulsaktionen tastbar.
b. Die zweite Halsschlagader der Gegenseite wird zusätzlich getastet, wenn bei der ersten Seite ein negativer Tastbefund erhoben wurde. Die Auswahl der ersten geprüften Seite der Halsschlagaderpulsaktionen ist dabei beliebig:
Auch an der zweiten Seite keine Pulsaktionen tastbar.
c. Kontrolle der Farbe von Haut und Schleimhäuten:
Hautfarbe bleich, Schleimhäute und Lippen bläulich verfärbt.

Bewusstlosigkeit ist das Sauerstoffmangelzeichen des Gehirns.

Weite Pupillen sind keine eindeutig zuverlässigen Sauerstoffmangelzeichen des Gehirns. Bei einem Atem- und Kreislaufstillstand können die Pupillen trotz einer Sauerstoffmangelsituation des Gehirns auch eng bleiben! (Alkohol, Drogen)

Die Feststellung eines Atemstillstandes und eines Herz-Kreislaufstillstandes nach der vorgeschlagenen Checkliste muss innerhalb von wenigen Sekunden erfolgt sein. Bei der Feststellung eines Atemstillstandes und eines Herz-Kreislaufstillstandes muss der Ersthelfer den folgenden 5 GEBOTEN unbedingt folgen, um erfolgreich sein zu können!

Diese 5 Gebote umfassen die folgenden Maßnahmen der Ersten Hilfe, welche
vom Ersthelfer sofort und unverzüglich auszuführen sind:

1. Prüfung der drei Kriterien des DIAGNOSTISCHEN BLOCKS

2. Sofortiges Absetzen eines exakten Notrufes

3. Vorschriftsmäßige Lagerung des Patienten

4. Atemspende

5. Äußere Herzdruckmassage

Die Atemspende stellt wieder ein Sauerstoffangebot für den Körper dar. Mit der Herzdruckmassage wird das Transportsystem für den Sauerstoff durch den Körper, d.h. die Herz-Kreislauffunktion, wieder in Gang gebracht.

Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen

Praktische Durchführung der Ersten Hilfe und der ersten Wiederbelebungsmaßnahmen

1. Lagerung

1 a. Freimachen der Atemwege

Bei Bewusstlosigkeit mit der Gefahr des Ausfalls der Spontanatmung und im besonderen als Voraussetzung für jede erfolgreiche Atemspende müssen die Atemwege frei gemacht werden. Dazu eignet sich der folgende Ablauf: Der Betroffene befindet sich in Rückenlage, nach Öffnen des Mundes wird die Mundhöhle inspiziert: Feste Bestandteile (Speisereste, Prothesen) werden mit den Fingern entfernt; zur Entfernung von Flüssigkeiten wird der Kopf zur Seite gedreht und die Mundhöhle durch Auswischen unter Zuhilfenahme eines Taschentuches gereinigt. Danach wird der Patient entweder bei ausreichender Spontanatmung in die stabile Seitenlage gebracht, oder zur Wiederbelebung mit freigehaltenen und offenen Atemwegen gelagert.

1 b. Stabile Seitenlage

Diese Lagerung wird durchgeführt, wenn Atmung und Kreislauf noch vorhanden sind, der Betroffene aber bewusstlos ist (z.B. bei plötzlich aufgetretenen schweren Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Lungenembolie).

1 c. Lagerung zur Atemspende und zur Herzdruckmassage

Die Lagerung zur Wiederbelebung erfolgt am sichersten und besten flach mit dem Rücken auf dem Fußboden, d.h. der Patient muss z.B. aus dem Bett oder Sessel herausgenommen werden. Der Kopf wird im Nacken gebeugt:
dazu wird der Kopf des Betroffenen mit beiden Händen nackenwärts gebeugt, wobei eine Hand des Ersthelfers auf der Stirne des Betroffenen liegt und seine andere Hand unter das Kinn des Betroffenen greift und seinen Unterkiefer anhebt. Wird der Kopf des Bewusstlosen nicht nackenwärts gebeugt, wird der Luftröhreneingang durch die zurückfallende Zunge verschlossen und der Bewußtlose kann nicht durch eine Atemspende beatmet werden.

2. Atemspende:

In manchen Fällen kommt die eigene Atmung durch die vorschriftsmäßige Lagerung des Bewusstlosen und im besonderen seines Kopfes wieder in Gang. Ist dies nicht der Fall, muss mit der Atemspende begonnen werden. Vor Beginn der Atemspende müssen, wie beschrieben, lockerer Zahnersatz und Erbrochenes aus dem Mund entfernt werden. Festsitzende Prothesen sollen belassen werden.

Möglichkeiten der Atemspende

Grundsätzlich kann die Atemspende erfolgen als:
 1. Beatmung von Mund zu Nase
 2. Beatmung von Mund zu Mund.

Der Atemspender kniet seitlich dicht an dem Patienten.

Warum ist eine Atemspende möglich?
Die Einatemluft enthält 21 % Sauerstoff. Die Ausatemluft enthält 16 - 17 % Sauerstoff. 16 % Sauerstoff aus der Ausatemluft des Atemspenders reichen aus, um dem Atemempfänger noch 4 - 5 % Sauerstoff zu geben.

1. Beatmung von Mund zu Nase

Der Helfer legt eine Hand fest auf die Stirnhaargrenze des zu Beatmenden, die andere Hand fest unter sein Kinn, um den rückwärts gebeugten Kopf zu fixieren. Die unter dem Kinn haltende Hand schiebt den Unterkiefer nach vorne und oben. Der Daumen der kinnseitigen Hand schiebt die Unterlippe nach oben, um den Mund des zu Beatmenden zu verschließen; sonst würde die in die Nase geblasene Luft durch den Mund wieder entweichen. Der Helfer atmet selbst tief ein, setzt seinen möglichst weit geöffneten Mund fest auf das Gesicht des zu Beatmenden um die Nase herum und atmet vorsichtig in den zu Beatmenden hinein, aus. Die Ausatemluft des Helfers wird zur Einatemluft des zu Beatmenden. Nach Beendigung der Ausatmung in den zu Beatmenden, hebt der Helfer seinen Kopf, um erneut tief einzuatmen. Während dieser Zeit dreht der Helfer sein Gesicht zum Brustkorb des zu Beatmenden hin, um dessen Ausatmung zu beobachten und zu kontrollieren. Der Brustkorb und der Bauch des zu Beatmenden müssen sichtbar zurücksinken, und gleichzeitig muss aus seiner Nase ein Luftstrom hörbar und fühlbar entweichen. Ist das Entweichen der eingeblasenen Luft aus der Nase des zu Beatmenden nicht festzustellen, öffnet der Helfer leicht den Mund des beatmeten Patienten, damit die Ausatmung des zu Beatmenden über diesen Weg erfolgen kann.

2. Beatmung von Mund zu Mund

Kann von Mund zu Nase keine Atemspende durchgeführt werden, muss diese von Mund zu Mund erfolgen. Der Kopf des zu Beatmenden bleibt unverändert zurückgebeugt liegen. Die Hand des Ersthelfers, welche bei der Mund zu Nase Beatmung den Unterkiefer des zu Beatmenden nach vorne und oben geschoben hatte, öffnet nun dessen Mund. Der Ersthelfer atmet wiederum tief selbst ein und setzt seinen geöffneten Mund über den des zu Beatmenden. Der Ersthelfer verschließt dabei die Nasenlöcher des zu Beatmenden entweder durch Anpressen seiner Wange an dessen Nase, oder mit dem Daumen und Zeigefinger seiner; auf der Stirn des Leblosen liegenden Hand. Der Ersthelfer atmet nun von Mund zu Mund tief in den zu Beatmenden hinein aus. Die Erfolgskontrolle der Atemspende geschieht in gleicher Weise wie bei der Beatmung von Mund zu Nase.

Erfolgt die Atemspende als,, Ein-Helfer Methode" durch einen nicht professionell ausgebildeten Ersthelfer, wird nach jeder Einatmung in den zu Beatmenden seine Ausatmung vollständig abgewartet, bevor die neue Atemspende beginnt.

Erfolgt die Atemspende in Kombination mit einer erforderlichen Herzdruckmassage als ,,Zwei-Helfer-Methode", wird nach jeder Einatmung in den zu Beatmenden seine Ausatmung nicht vollständig abgewartet, bevor in der Kombination mit der Herzdruckmassage eine neue Atemspende beginnt.

Beatmungswerte bei der direkten Atemspende:

1. Frequenz der direkten Atemspenden: 10 mal pro Minute
d.h., die Atemspende soll 10 mal pro Minute erfolgen.

2. Beatmungsdauer je Atemspende: 2 Sekunden
d.h., jede Einatmung in den zu Beatmenden durch den Ersthelfer soll 2 Sekunden dauern.

3. Atemhubvolumen je Atemspende: 800-1200 ml
bei jeder Einatmung soll ein Volumen von 800 - 1200 ml Luft durch den Ersthelfer in den zu Beatmenden hineingeblasen werden.

4. Hygienische Maßnahmen zum Infektionsschutz während der Atemspende - Beatmungshilfen -Aus hygienischen Gründen kann ein Luftstromdurchlässiges Tuch während der direkten Atemspende über die Nase bei der Mund-zu-Nase-Beatmung und über den Mund bei der Mund-zu-Mund-Beatmung gelegt werden. Solche Atemschutztücher sollten jedoch nur benützt werden, wenn eine gesonderte Einweisung und Schulung in Ihrer Anwendung erfolgt ist. Normalerweise finden diese Atemschutztücher beim Ersthelfer keine Anwendung. Ähnliches gilt für andere Atemhilfen - Sämtliche anderen Atemhilfen, wie insbesondere Gummi-Tuben, sollen nur vom geübten Rettungspersonal verwendet werden.

MERKE:
Verwende niemals im Notfall ein unbekanntes Instrument

Der Atemspender muss vor einer fühlbaren Überanstrengung eine Pause machen, sonst kann der Atemspender selbst bewusstlos werden.

Die Ursache für eine evtl. auftretende Bewusstseinstrübung des Ersthelfers liegt darin, dass der Ersthelfer aufgrund seiner eigenen, bewusst verstärkten Atemtechnik, zuviel Kohlensäure ausatmet und dadurch der Kohlensäuregehalt seines eigenen Blutes unter normale Werte abfällt. Allgemein gilt, dass ein zu niedriger und ein zu hoher Gehalt an Kohlensäure im Blut, die Durchblutung im Gehirn verschlechtert und zu einer Beeinträchtigung des Bewusstseins führt.

Äußere Herzdruckmassage

1. Durchführung der äußeren Herzdruckmassage

Zur Vorbereitung der äußeren Herzdruckmassage muss der Patient mit dem Rücken auf dem Fußboden liegen. Der Druckpunkt für die äußere Herzdruckmassage befindet sich beim Erwachsenen im unteren Drittel des Brustbeines, genau 2 Querfinger oberhalb der Brustbeinendspitze, dem sogenannten Schwertfortsatz des Brustbeines. Das Brustbein liegt in der Mitte des Brustkorbes und reicht vom Hals bis zur Magengrube. Die obere und die untere Grenze des knochenharten Brustbeines sind in der Regel deutlich zu tasten. Zur Durchführung der äußeren Herzdruckmassage kniet der Ersthelfer so dicht wie möglich vor dem Patienten. Zum Auffinden des Druckpunktes für die Herzdruckmassage tastet der Ersthelfer die Brustbeinendspitze, wandert mit seiner Hand auf dem Brustbein 2 Querfinger kopfwärts und legt seine beiden Handflächen an dieser Stelle übereinander

Bezüglich der Handhaltung während der äußeren Herzdruckmassage werden zwei alternative Möglichkeiten empfohlen:

1.Die zweite Hand wird gekreuzt auf die erste Hand gelegt, wobei die Handflächen übereinander liegen. Die Handinnenfläche der ersten Hand liegt auf dem Druckpunkt des Brustbeines und die Handinnenfläche der zweiten Hand liegt genau auf der Handaußenfläche der ersten Hand. Die Finger der übereinandergelegten Hände dürfen den Brustkorb des Scheintoten nicht berühren.

2. Die Finger der zweiten Hand werden zwischen die Finger der ersten Hand gelegt. Die Handflächen liegen übereinander.

Während der Herzdruckmassage hält der Ersthelfer seine Ellenbogengelenke steif und gestreckt, während seine beiden übereinandergelegten Handflächen genau auf dem beschriebenen Druckpunkt des Brustbeines liegen.

Der Ersthelfer übt nun in einem festen Rhythmus Druckstöße auf den beschriebenen Druckpunkt des Brustbeines aus. Der Druck auf das untere Brustbeindrittel muss dabei durch den Ersthelfer senkrecht von oben erfolgen, durch eine Gewichtsverlagerung seines Körpers über die gestreckten Arme. Beim Erwachsenen muss diese Druckausübung in einem festen Rhythmus 80 bis 100 mal pro Minute erfolgen. Die einzelnen Druckmassagen müssen so stark sein, dass das Brustbein im Bereich des Druckpunktes jedes mal 4 bis 5 cm tief eingedrückt wird und damit 4 bis 5 cm der Wirbelsäule genähert wird. Nach jedem Druck auf den Brustbeindruckpunkt muss dieser wieder vollständig entlastet werden, indem der Ersthelfer seine Druckkraft und die Verlagerung seines Körpergewichtes über die gestreckten Arme zurücknimmt. Das Verhältnis von Druck und Entlastung beträgt dabei 1 : 1. Nur unter Miteinsatz seines ganzen Körpergewichtes kann der Ersthelfer diese anstrengende Arbeit der äußeren Herzdruckmassage über längere Zeit leisten. Während der Entlastungsphase des Brustbeindruckpunktes bleiben die übereinandergelegten Handflächen des Ersthelfers, d.h. des Wiederbelebers, auf dem Brustbeindruckpunkt angelegt liegen. Durch ein falsches Wegnehmen der Hände vom Brustbeindruckpunkt würde der Ersthelfer unnötig Kraft und Zeit zum erneuten Aufsuchen des exakten Brustbeindruckpunktes verlieren.

2. Das Wirkungsprinzip der äußeren Herzdruckmassage

Das Wirkungsprinzip der äußeren Herzdruckmassage besteht darin, dass das funktionslose Herz durch die Einwirkung der äußeren Herzdruckmassage während der Ausübung des Druckstoßes auf das untere Brustbeindrittel jeweils zwischen zwei knochenharten Widerlagern - von hinten die Wirbelsäule und von vorne das untere Brustbeindrittel - zusammengepresst wird und sich in der Phase der Druckwegnahme vom unteren Brustbeindrittel wieder ausdehnen kann. Das funktionslose Herz wird durch die mechanische Kraft der äußeren Herzdruckmassage zu einer passiven Arbeitsleistung gezwungen. Während der Druckphase wird passiv aus dem Herzen Blut in die Körperschlagader und in die Lungengefäße ausgeworfen. Während der mechanisch nachgeahmten Entlastungsphase des Herzens bei Zurücknahme des Druckstoßes vom unteren Brustbeindrittel, wird das verbrauchte Blut aus dem Körperkreislauf über die rechte Vorkammer des Herzens in seine rechte Hauptkammer und ebenso das während der Atemspende in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut, über die linke Vorkammer des Herzens in seine linke Hauptkammer eingesogen. Bei der nächsten Herzdruckmassage wird das sauerstoffangereicherte Blut aus der linken Hauptkammer des Herzens in die Hauptschlagader des Körpers und aus der rechten Hauptkammer des Herzens in die Lungengefäße zur erneuten Aufnahme von Sauerstoff in den Lungen ausgestoßen.

Wird die äußere Herzdruckmassage korrekt durchgeführt, kann ein für das Überleben des Patienten ausreichender Minimalkreislauf wieder hergestellt werden, gleichgültig welche Störung der Herzfunktion den Herzstillstand verursacht hat. Das Blut, welches während der Druckbelastung durch die äußere Herzdruckmassage in die Körperschlagader ausgeworfen wird, kann also für eine minimale, aber lebensrettende Durchblutung aller Organe, insbesondere für das Gehirn ausreichen. Das Blut, welches während der Druckbelastung durch die äußere Herzdruckmassage in die Lungen ausgeworfen wird, muss dort durch den Sauerstoff aus der Atemspende mit Sauerstoff beladen werden. Aus diesem Grunde müssen die Atemspende und die äußere Herzdruckmassage ohne Unterbrechung im Wechsel mit einer festen Arbeitsfrequenz erfolgen.

Als Komplikation der äußeren Herzdruckmassage können einzelne Rippen brechen. Unter dem Gesichtspunkt der Lebensrettung durch die äußere Herzdruckmassage sind diese Rippenbrüche von untergeordneter Bedeutung.
Methoden zur Wiederbelebung

Grundsätzlich kann die Wiederbelebung durch eine Person durchgeführt werden. Im günstigsten Falle wird sie von zwei Wiederbelebern ausgeführt.

Nach der Anzahl der beteiligten Nothelfer wird unterschieden:

 1. Die Ein-Helfer Methode
 2. Die Zwei-Helfer Methode

Für den Erst-Helfer wird grundsätzlich nur
die Ein-Helfer Methode gelehrt und empfohlen!

Die Zwei-Helfer Methode ist in der Regel wirksamer als die Ein-Helfer Methode.
Sie wird aber vorwiegend nur in der weiterführenden Ausbildung für Erste-Hilfe und Wiederbelebung maßgebend gelehrt und empfohlen.

Prinzipiell beginnt jede Methode der Wiederbelebung, d.h. die Ein-Helfer-Methode und die Zwei-Helfer-Methode mit 2 langsamen Beatmungen des zu Beatmenden durch den Ersthelfer. Dann beginnen die ersten Herzdruckmassagen.

1. Die EIN-HELFER-METHODE
Methode der Wahl für den ersten Notfallzeugen.

Beginn mit 2Atemspenden - dann folgen 15 Herzdruckmassagen und 2Atemspenden im Wechsel.

Die Wiederbelebung durch die Ein-Helfer-Methode beginnt mit 2 langsamen Beatmungen. Langsam bedeutet: eine Dauer von 2 Sekunden pro Beatmung. Im Gegensatz zur Zwei-Helfer-Methode wird bei der Ein-Helfer-Methode die vollständige Ausatmung des zu Beatmenden jeweils abgewartet, d.h. vor der 2. Beatmung jeweils, muss generell das Ende der passiven Ausatmung des zu Beatmenden aus der 1 .Atemspende abgewartet werden, damit die beabsichtigte Lungenbelüftung des zu Beatmenden kontrolliert ist, und eine Blähung des Magens durch die Luft aus der Atemspende vermieden wird. Nach 2 Atemspenden folgen jeweils 15 Kompressionen des Brustkorbes mit einer Frequenz von 80 - 100 pro Minute.
Anschließend werden erneut wie beschrieben, 2 Atemspenden durchgeführt, im fortlaufenden Rhythmus der Wiederbelebungsmaßnahmen. Wichtig ist, dass jeweils nach den beiden Atemspenden und nach den 15 Herzdruckmassagen keine Pausen im Wiederbelebungsablauf entstehen.

Frequenz der Atemspenden:   10 x pro Minute
Frequenz der Herzdruckmassagen: 80- 100x pro Minute

2. Die ZWEI-HELFER-METHODE

Ein Helfer übernimmt die Beatmung, der zweite Helfer die Herzdruckmassage. Ein schneller Wechsel der Aufgabenverteilung ist prinzipiell möglich.

Die Wiederbelebung beginnt - wie gesagt - mit 2 langsamen Beatmungen. Die erste anschließende Herzdruckmassage erfolgt bereits am Ende der Einatemphase und unterstützt so die passive Ausatmung. Nach 5 Herzdruckmassagen wird unverzüglich wieder eine Beatmung eingeschoben.

Im Gegensatz zur Ein-Helfer Methode wird bei der Zwei-Helfer Methode die Ausatmung, in der Kombination mit der Herzdruckmassage nicht abgewartet. Die Dauer der Atemspende bei der Zwei-Helfer-Methode liegt deshalb unter 2 Sekunden, in der Regel bei ca. 1,5 Sekunden.

Frequenz der Atemspenden: l0x  pro Minute

Frequenz der Herzdruckmassagen: 80 - 100x  pro Minute

Bei der Zwei-Helfer-Methode zählt der Helfer, welcher die Herzdruckmassage durchführt: ,, 1,2,3,4,5"

Bereits vor der 4. Herzdruckmassage bereitet sich der Helfer 2 auf die Beatmung vor. ,,5" ist dann der ,,Beatmungstakt". Danach beginnt die Taktvorgabe wieder bei ,,1".

Die Wiederbelebungsmaßnahmen, d.h. die Atemspenden und die Herzdruckmassagen durch 2 Helfer; müssen dabei streng und exakt koordiniert und ohne Unterbrechung erfolgen.

Nach der Feststellung eines Atem-, Herz- und Kreislaufstillstandes beginnt der erste Notfallzeuge, d.h. der Ersthelfer sofort mit 2 Beatmungen und der anschließenden Herzdruckmassage in dem beschriebenen Rhythmus der Wiederbelebungsmaßnahmen!

Die Erfolgskontrolle der Wiederbelebung

Die direkten Wiederbelebungsmaßnahmen müssen innerhalb der ersten 4 Minuten nach dem Eintreten des Herz-, Kreislauf- und Atemstillstandes, d.h. während der Phase des klinischen Todes des Patienten zum Erfolg führen, in Form eines Minimalkreislaufes. Nach Eintreten des biologischen Todes sind die Wiederbelebungsmaßnahmen nicht mehr sinnvoll und führen auch nicht mehr zum Erfolg. Die Wiederbelebungsmaßnahmen sind erfolgreich, wenn die Halsschlagaderpulse beiderseits wieder tastbar werden, die vorher erweiterten Pupillen sich
verengen, der Patient wieder spontan atmet und seine Hautfarbe wieder rosig wird. Die Verengung der Pupillen und das Einsetzen der eigenen Atmung sind Anzeichen
dafür, daß das Gehirn durch den Minimalkreislauf, welcher durch die Wiederbelebungsmaßnahmen in Gang gesetzt wurde, wieder mit sauerstoffangereichertem Blut durchströmt wird.

Für den Ersthelfer gilt, dass die Wiederbelebungsmaßnahmen zum Zwecke weiterer Klärung von Ursachen, welche bei dem Bewusstlosen zum Ausfall seiner Lebensfunktionen geführt haben, nicht unterbrochen werden, sondern so lange fortgeführt werden müssen, bis der Bewusstlose wieder atmet, reagiert, sich bewegt und wieder tastbare Halsschlagaderpulse hat, oder die Wiederbelebungsmaßnahmen dem eingetroffenen Rettungsdienst übergeben werden können.

Betont sei noch einmal, dass begonnene Wiederbelebungsmaßnahmen vom Erst-Helfer in keiner Weise nach bestimmten Zeitabständen unterbrochen, oder abgebrochen werden dürfen.
Die Wiederbelebungsmaßnahmen werden solange fortgesetzt, bis der Bewusstlose wieder atmet und sich bewegt!

Die Entscheidung, ob die eigene Atmung des Patienten ausreichend ist, kann in der Regel nur der Notarzt treffen. Grundsätzlich sollte der Ersthelfer die ersten Wiederbelebungsmaßnahmen auch bei zunächst fehlendem Erfolg, bis zum Eintreffen des Notarztes ohne Unterbrechung durchführen.

Während und nach den ersten Wiederbelebungsmaßnahmen darf der Ersthelfer keine Medikamente geben! Die Medikamente bei der Wiederbelebung gibt nur der Arzt. Die Medikamente gibt der Arzt in Abhängigkeit von der Wiederbelebungssituation und von der Grunderkrankung, welche zu dem Ausfall der Herz- und Kreislauffunktion und zu dem Atemstillstand geführt hat.

Die Erfolgschancen der ärztlichen Behandlung hängen wesentlich und entscheidend von dem Einsatz und den erfolgten Maßnahmen des Ersthelfers ab.

Es kann wenige Minuten bis einige Stunden dauern, bis die Wiederbelebungsmaßnahmen, welche durch einen Ersthelfer begonnen und von dem Notarzt fortgeführt wurden zum Erfolg führen; d.h. bis die Herztätigkeit und die Atmung des wiederbelebten Patienten wieder selbständig und anhaltend vorhanden sind.

Besonderheiten der Wiederbelebung beim Neugeborenen, Säugling und Kleinkinder

Ein Atem-, Kreislauf- und Herzstillstand beim Säugling und Kleinkind zeichnet sich bezüglich seiner Feststellung und seiner ersten notfallmäßigen Behandlungs- und Wiederbelebungsmaßnahmen durch einige wesentliche Besonderheiten aus, die unbedingt beachtet werden müssen, wenn der Ersthelfer erfolgreich sein will.

Atem- und Kreislaufstillstand bedeuten für den Säugling und das Kleinkind im Vergleich zum Erwachsenen in schwerwiegenderer weise einen Sauerstoffmangel für die lebenswichtigen Organe. Der Sauerstoffmangel trifft beim Säugling und Kleinkind nicht wie beim Erwachsenen reife und funktionell ausgebildete, zwar unter Umständen kranke Organe, sondern die lebenswichtigen Organe wie das Gehirn, das Herz, die Lungen, die Leber und die Niere noch in sehr unterschiedlich stark ausgeprägtem, unreifen Organ- und Funktionszustand. Dies bedeutet für das Kind, dass nicht nur die Funktion und die Wiederkehr der Funktion dieser lebenswichtigen Organe gefährdet sind, sondern im besonderen kann die Weiterentwicklung, Reifung und volle Funktionsausbildung dieser Organe durch einen Sauerstoffmangel für das Kind - auch bei Wiederkehr der vollen Atem- und Kreislauffunktion - lebenslänglich schwerstens gestört bleiben, mit der Folge von schweren Entwicklungsschäden. Konsequenterweise ist die Zeit, während der Atem-, Herz- und Kreislaufstillstand beim Kleinkind, besonders aber beim Säugling und Neugeborenen, festgestellt werden muss, kürzer als 4 Minuten. Sie darf maximal 2 Minuten betragen.

Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder können die eigene Körperwärme schwerer produzieren und aufrechterhalten als Erwachsene. Die Körpertemperatur von Säuglingen und Kleinkindern sinkt bei schlechter Atem- und Kreislauffunktion sehr schnell ab. Besonders gefährdend kommt hinzu, dass eine Unterkühlung für den Säugling und das Kleinkind nicht in jedem Fall einen guten Schutz vor Sauerstoffmangelschäden darstellt, wie dieses in vielen Fällen beim Erwachsenen der Fall ist.

Hauptursachen für einen Atem- und Kreislaufstillstand und den klinischen Tod des Säuglings und Kleinkindes sind:

1. Fehlende oder unzureichende Spontanatmung durch eine Störung des Atemzentrums im Gehirn.

2. Verschluckte Fremdkörper und Entzündungen in den verschiedenen Abschnitten der oberen Luftwege, welche den Luftweg verlegen.

Die Blockade des Luftweges durch Fremdkörper oder entzündliche Erkrankungen, ist die häufigste Ursache für eine gestörte Atmung beim Säugling und Kleinkind.

Die Feststellung einer Bewusstlosigkeit beim Säugling und Kleinkind ist im Gegensatz zum Erwachsenen nicht durch eine verbale Kontaktaufnahme, d.h. Anrufen möglich. Durch leichtes und vorsichtiges Rütteln des Kindes und seiner Gliedmaßen muss der Ersthelfer seine Reaktionsfähigkeit prüfen. Der geschulte und aufmerksame Ersthelfer ist mit den entsprechenden Kenntnissen in der Lage, durch aufmerksames und gezieltes Sehen, Horchen und Fühlen, die lebensbedrohliche Situation des Kindes schnell und rechtzeitig zu erkennen und richtig zu handeln.

Für die Herz- und Kreislauffunktion des Säuglings und Kleinkindes gilt, dass ein Herz- und Kreislaufstillstand nicht erst dann vorliegt, wenn das Herz keinerlei Pumpleistung mehr ausführt, sondern wenn es sich bereits zu selten, d.h. mit einer zu langsamen Frequenz pro Minute kontrahiert. Die Herzfrequenz beim Säugling und Kleinkind beträgt normalerweise 120 - 140 Schläge pro Minute.

Eine tastbare Pulsfrequenz von 100 und unter 100 Pulsschlägen pro Minute beim Neugeborenen und von 60 und unter 60 Pulsschlägen pro Minute beim Säugling und Kleinkind, bedeuten jeweils für das Kind einen funktionellen Herzstillstand. Die normale Puls- und Herzfrequenz des Kindes liegt über 100 Pulsschlägen pro Minute.

Eine weitere Besonderheit bezüglich der Feststellung des Kreislaufstillstandes beim Säugling und Kleinkind ist die Tatsache, dass der Puls, welcher zu tasten ist, um den Kreislaufstillstand festzustellen, neben der Halsschlagader des Kindes, im besonderen die linke Oberarmschlagader an der Innenseite des Oberarmes, in der Nähe der Achselhöhle ist.

Für die Wiederbelebungsmaßnahmen beim Säugling und Kleinkind müssen die folgenden Punkte streng beachtet und befolgt werden:

1. Zur Feststellung von Bewusstlosigkeit wird das Kind vorsichtig beklopft und stimuliert, d.h. vorsichtig können leichte Schmerzreize, wie z.B. Hautkneifen ausgelöst werden, um dabei das Kind auf Körperreaktionen und Körperbewegungen zu beobachten.

2. Zeigt das Kind als Zeichen von Bewusstlosigkeit keine adäquaten Reaktionen, wird der Kopf leicht überstreckt, um die Atemwege, d.h. den Mund zu öffnen. Dabei wird das Kind in Seitenlage gebracht.

3. Sichtbare Fremdkörper aus der vorderen Mundhöhle werden sofort entfernt.

4. Um eventuelle Fremdkörper aus der Tiefe der Mundhöhle, welche gefährlicherweise den Luftröhreneingang verlegen, zu entfernen, wird das Kind auf den Bauch gedreht, und unter leichten und vorsichtigen Schlägen auf den Rücken können bei mit einem Finger offen gehaltenem Mund der Schwerkraft folgend, Fremdkörper häufig entfernt werden. Das Kind sollte dazu in eine Kopftieflagerung von 45° gebracht werden.

5. Beginnt das Kind nach Entfernung von Fremdkörpern nicht sofort zu atmen, muss die Atemspende einsetzen.

6. Die Kopfhaltung des Säuglings entspricht im wesentlichen der des Erwachsenen. Der Mund und der gesamte Luftweg sind dabei gezielt durch Anheben des Unterkiefers bei gleichzeitigem leichtem Zug an der Unterlippe offen zu halten. Besonders zu beachten ist, dass die Atemspende des Säuglings und Kleinkindes durch den Ersthelfer, über Nase und Mund des Kindes zusammen erfolgt: sogenannte Mund-zu-,, Nase-und-Mund"- Beatmung.

Der Mund des Ersthelfers umschließt Mund und Nase des Kindes zusammen mit seinen Lippen und bläst eine kleine Menge Luft in die Lungen. Bei erfolgreicher Beatmung, ist ein Anheben der Brust des Kindes zu beobachten.

Die Atemspende muss 40 mal pro Minute erfolgen.

7. Besonders zu beachten ist, dass der Beatmungsdruck und das Beatmungsvolumen während der direkten Atemspende nicht zu groß sind, da die über Nase und Mund eingeblasene Luft den Magen des Kindes sehr schnell und gefährlich aufblasen kann. Als Faustregel bei der Atemspende beim Säugling und Kleinkind gilt:
nicht mehr Luft, als in den eigenen Mund hineinpasst, soll in das zu beatmende Kind hineingeblasen werden. Der mit Luft gefüllte aufgeblasene Magen des Kindes verursacht aus dem Bauchraum einen hohen Druck gegen das Zwerchfell und erschwert damit die Beatmung der unteren Lungenabschnitte des Kindes. Neben dem Aufblähen des Magens, ist die Gefahr von Erbrechen bei flüssigkeitsgefülltem Magen hoch. Unter Umständen wird ein sehr geblähter Bauch des Kindes unter seinen Wiederbelebungsmaßnahmen sichtbar. Diese Luft kann durch Handauflegung und Druck auf den Magen bei geöffnetem Mund schnell entfernt werden.

8. Zur Feststellung des Kreislaufstillstandes sind die Pulsaktionen der Halsschlagader und/oder der Oberarmschlagader in der Nähe der Achselhöhle durch leichten Druck mit 3 Fingern schnell feststellbar Zu beachten ist, dass beim Säugling und Kleinkind nicht nur das absolute Fehlen der Schlagaderpulsaktionen, sondern auch sehr langsame und niederfrequente Pulsaktionen bereits Ausdruck einer absolut unzureichenden Kreislauffunktion sein können und einem Herz- und Kreislaufstillstand fallweise gleichgesetzt werden müssen. Beim Neugeborenen ist eine Pulsfrequenz von bereits nur 100 Pulsschlägen pro Minute, einem funktionellen Herz- und Kreislaufstillstand gleichzusetzen. Beim Säugling und Kleinkind ist bei Pulsfrequenzen unter 60 Pulsschlägen pro Minute mit der schnellen Entwicklung eines Kreislaufzusammenbruchs mit Sauerstoffmangelschäden zu rechnen.

Pulsfrequenzen von 60 Pulsschlägen pro Minute sind also beim Säugling und Kleinkind Alarmzeichen des Kreislaufzusammenbruchs.

9. Die äußere Herzdruckmassage muss bei den alarmierenden Herzfrequenzen bereits direkt beginnen:
der Herzmassagedruckpunkt liegt auf der Mitte des Brustbeines oder eine Fingerbreite unter der Verbindungslinie der beiden Brustwarzen.

10. Für die Herzmassagetechnik haben sich zwei Methoden bewährt:

A. Das Kind wird auf eine harte Unterlage gebracht. Falls dieses nicht möglich ist, wird der Rücken des Kindes durch die linke Hand des Ersthelfers stabilisiert. Die linke Hand des Ersthelfers liegt dabei flach unter dem Rücken des Kindes, wobei die Handinnenfläche seiner Hand dem Rücken fest angelegt ist. Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand des Ersthelfers werden mit den Fingerkuppen auf den Herzmassagedruckpunkt gelegt.

B. Der 2. bis 5. Finger beider Hände wird mit den Handinnenflächen unter den Rücken des Kindes gelegt, wobei die beiden Daumen dicht am Hals des Kindes vorbeilaufend, auf den Brustbeindruckpunkt gelegt werden. Die Daumenenden werden dabei flach und fest auf das Brustbein aufgelegt.

11. Die Herzdruckmassage muss 120 mal pro Minute erfolgen,
um eine effektive Kreislauffunktion auszulösen und zu unterhalten. Um eine ausreichende Sauerstoffspende zu gewährleisten, müssen dabei 40 direkte Atemspenden pro Minute erfolgen.

Empfohlen werden als sinnvoller Rhythmus zwischen Herzdruckmassagen und Beatmungen - beginnend mit 5 Beatmungen - 15 Herzdruckmassagen im Wechsel mit 5 Beatmungen. Diese Wiederbelebungsmaßnahmen können von einem Helfer durchgeführt werden.

12. Während der Wiederbelebungsmaßnahmen muss das Kind getrocknet, warm gehalten oder aufgewärmt werden mit angewärmten Tüchern und Decken, notfalls auch mit dem Einsatz eigener Körperwärme.

Die Wiederbelebung von Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern kann nur erfolgreich durch den Ein-Helfer Einsatz eines erfahrenen und mit den notwendigen Kenntnissen ausgestatteten Ersthelfers durchgeführt werden.

Wie beim Erwachsenen sollen auch der Säugling und das Kleinkind durch den Ersthelfer so lange wiederbelebt werden, bis ärztliche Hilfe die weiteren Maßnahmen übernehmen kann. Einmal durch den Ersthelfer begonnene Wiederbelebungsmaßnahmen dürfen danach nur auf Anweisung eines Arztes (Hausarzt, Notarzt, Klinikarzt) beendet werden.
 

     

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